Die Sonderfälle


Versorgungsabgaben für arbeitslose Mitglieder (§ 23 Abs. 1, Nr. 2)

Für angestellte Ärztinnen und Ärzte, die gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB VI von der gesetzlichen Rentenversicherung befreit sind und arbeitslos werden, übernimmt während des Bezuges von Arbeitslosengeld I oder Unterhaltsgeld die zuständige Arbeitsagentur auch die Versorgungsabgaben für die Ärzteversorgung. Dafür ist ein entsprechender Antrag notwendig, den das Mitglied bei der zuständigen Arbeitsagentur stellen muss. Die Mitgliederabteilung der Ärzteversorgung gibt dazu nähere Auskünfte.


Versorgungsabgaben während der Mutterschutzfrist und bei Elternzeit (§ 11 Abs. 2)

Voraussetzung für die Anerkennung von Kinderbetreuungszeiten

Während der Mutterschutzfrist (sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt des Kindes) muss das Mitglied keine Versorgungsabgaben an die Ärzteversorgung zahlen. Nach Ablauf der Mutterschutzfrist kann das Mitglied die Berücksichtigung von Kinderbetreuungszeiten geltend machen. 

Kinderbetreuungszeiten können

  • bei Geburten nach dem 01.01.1992 für einen Zeitraum von längstens 36 Monaten und bei Geburten vor dem 01.01.1992 für einen Zeitraum von 15 Monaten, gerechnet ab der Geburt des Kindes, berücksichtigt werden;
  • angestellte, beamtete und selbstständige Ärztinnen und Ärzte in Anspruch nehmen.

Kernpunkt der Regelung von Kinderbetreuungszeiten ist die Tatsache, dass während der Kinderbetreuung keine Einkünfte erzielt werden können und damit die Möglichkeit, Versorgungsabgaben zu entrichten, sehr eingeschränkt ist mit der Folge, dass beitragsfreie bzw. beitragsarme Mitgliedschaftszeiten entstehen. Diese beitragsfreien bzw. beitragsarmen Mitgliedszeiten würden sich ohne die "Berücksichtigung von Kinderbetreuungszeiten" stark rentenmindernd auf die Höhe der Rentenanwartschaften auswirken. Die "Berücksichtigung von Kinderbetreuungszeiten" erfolgt in der Weise, dass die beitragsfreien oder beitragsarmen Mitgliedschaftszeiten bei der Rentenberechnung ausgeklammert werden, sodass sie sich nicht mehr rentenmindernd auswirken können. Voraussetzung für die Berücksichtigung ist allerdings, dass während der Kinderbetreuungszeit nicht mehr als eine geringfügige Beschäftigung gemäß § 8 SGV IV ausgeübt wird.

Die Zahlung von freiwilligen Versorgungsabgaben während der Kinderbetreuungszeit

Die Tatsache, dass die Zeiten der Kinderbetreuung ausgeklammert werden, bedeutet hingegen nicht, dass während dieser Zeiten die Möglichkeit der freiwilligen Beitragszahlung ausgeschlossen ist. Wer während der Kinderbetreuungszeiten freiwillig Versorgungsabgaben entrichtet, erwirbt anders als das Mitglied, das sich während des fraglichen Zeitraumes betragsfrei stellen lässt, zusätzliche Rentenanwartschaften.


Exkurs: Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung

Nach einem Urteil des Bundessozialgerichtes vom Januar 2008 sowie zwischenzeitlich erfolgten Gesetzesänderungen haben auch Mitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung einen Anspruch auf Anerkennung von Kindererziehungszeiten. Dieser Anspruch wurde bisher verwehrt, weil die Mitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung zugunsten einer berufsständischen Versorgungseinrichtung befreit worden sind. 


Allen Mitgliedern, die Kinder erzogen haben, wird empfohlen, sich an eine Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung zu wenden. Zunächst werden dort die Kinder erfasst. Wenn die Wartezeit von 60 Monaten in der gesetzlichen Rentenversicherung trotz Anerkennung von Kindererziehungszeiten noch nicht erfüllt ist, besteht abhängig vom Geburtsjahrgang des Mitgliedes die Möglichkeit, Beiträge bei Erreichen der Regelaltersgrenze nachzuzahlen oder regelmäßig freiwillige Beiträge zu entrichten, bis die für eine Regelaltersrente notwendige Wartezeit von 60 Monaten erfüllt ist. Die vorgenannten Möglichkeiten bestehen auch, wenn bereits die Regelaltersgrenze überschritten ist und eine Altersrente von der ÄVWL bezogen wird.

Ein Merkblatt zu diesem Thema können Sie hier downloaden.


Versorgungsabgaben für Beamte auf Zeit, Widerruf oder Probe (§ 23 Abs. 3)

Mitglieder, die Beamte auf Zeit, auf Widerruf oder auf Probe werden, können sich von der Pflichtmitgliedschaft befreien lassen (§ 6 Abs. 4 Nr. 2). Wer sich nicht befreien lässt, muss eine Versorgungsabgabe in Höhe der Mindestabgabe gemäß § 22 Abs. 3 leisten.


Versorgungsabgaben für Mitglieder, die Pflegepersonen sind oder Pflegeunterstützungsgeld beziehen (§ 23 Abs. 6)

Mitglieder, die nicht erwerbsmäßig eine pflegende Tätigkeit im Sinne der sozialen Pflegeversicherung ausüben oder Anspruch auf Ausgleich für entgangenes Arbeitsentgelt (sogenanntes Pflegeunterstützungsgeld) haben und von der gesetzlichen Rentenversicherung zugunsten der Ärzteversorgung befreit sind, erhalten auf Antrag von der Pflegekasse den Rentenversicherungsbeitrag zur Ärzteversorgung erstattet.


Versorgungsabgaben bei längerer Erkrankung

Angestellte Mitglieder, die längere Zeit erkrankt sind, erhalten nach den Bestimmungen der Tarifverträge sechs Wochen Lohnfortzahlung. Ältere Verträge können auch eine längere Lohnfortzahlung vorsehen, die bis maximal 26 Wochen reicht.


Während der Lohnfortzahlung werden die Rentenversicherungsbeiträge unverändert zur Hälfte vom Arbeitgeber und -nehmer an die ÄVWL geleistet. Nach Beendigung der Lohnfortzahlung erhalten die Ärztinnen und Ärzte Krankengeld bzw. Krankentagegeld von der gesetzlichen Krankenkasse bzw. von der privaten Krankenversicherung und ggf. einen Zuschuss zum Krankengeld, der vom Arbeitgeber geleistet wird.


Angestellte Ärztinnen und Ärzte, die von der Rentenversicherungspflicht befreit sind und Krankengeld beziehen, sind ab dem Jahr 2016 im Fall einer längerfristigen Erkrankung bei der Ärzteversorgung besser abgesichert. Zusammen mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz wurde eine Regelung verabschiedet, die Krankenkassen seit dem 1. Januar 2016 dazu verpflichtet, für Krankengeldbezieher auch Beiträge an berufsständische Versorgungseinrichtungen zu zahlen. Diese Beitragszahlung existierte bislang lediglich für rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Beitragszahlung setzt jedoch einen Antrag voraus und hat ihren Preis. Denn die Mitglieder müssen bereit sein, sich im gleichen Umfang wie die Krankenkassen an der Beitragszahlung zu beteiligen.


Privat Krankenversicherte profitieren hiervon nicht. Sie haben zwar die Möglichkeit, freiwillige Beiträge an das Versorgungswerk zu zahlen; sie müssen diese Beiträge jedoch alleine aufbringen und sollten dies bereits bei der Bemessung der Höhe eines zusätzlich versicherten Krankentagegeldes berücksichtigen. In allen Fällen sollte bei Arbeitsunfähigkeit die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe in Kenntnis gesetzt werden.


Sollte die Dauer der Erkrankung nicht absehbar sein, kann auch die Beantragung einer Berufsunfähigkeitsrente von der ÄVWL in Frage kommen.


Wir bitten daher unsere Mitglieder, sich rechtzeitig, noch vor Beendigung der Lohnfortzahlung, von der ÄVWL beraten zu lassen.